Körpersprache

Hunde senden unterschiedliche Signale, die man als Hundebesitzer auf jeden Fall kennen sollte. So gibt es zum Beispiel so genannte „Calming Signals“, die der Hund einsetzt, um Artgenossen und Menschen zu signalisieren, dass er nichts Böses im Sinn hat. Sie können aber auch bedeuten, dass der Hund sich unterwirft oder im Stress ist.


Die wichtigsten „Calming Signals“ sind:

  • Kopf wegdrehen
  • Vermeiden des direkten Blickkontakts
  • das Lecken der eigenen Nase
  • Pfote leicht anheben
  • sich hinsetzen oder -legen
  • „welpisches“ Benehmen (wie ein Kind)
  • schnelles Wedeln mit der Rute

Ebenso interessant ist, dass Hunde ganz leicht unsere Gefühle und Launen wahrnehmen können. Das geschieht durch unsere Körperhaltung. Umgekehrt funktioniert es ebenso.

 

Einige Beispiele:

  • Der Hund tobt ausgelassen: Er ist bester Laune.
  • Der Hund macht einen Buckel, duckt sich: Er hat Angst.
  • Der Hund stellt das Nackenfell auf, macht sich groß: Er ist selbstbewusst.

Es gibt viele unterschiedliche Gestiken und Mimiken, die das Verhältnis zwischen Mensch und Hund leichter machen, wenn man sich über diese im Klaren ist.

Hunde verständigen sich untereinander durch verschiedene Signale. Dazu gehört eine Vielzahl von unterschiedlichen Gesichtsausdrücken, Körperhaltungen, Lauten und Gerüchen. Wenn Ihr Hund seine Gefühle zum Ausdruck bringen möchte, tut er dies mit seiner Schnauze, seinen Augen, seinen Ohren und seiner Rute. Deuten Sie die Kombination der verschiedenen Körpersignale richtig, können Sie in jeder Situation erkennen, was Ihr Hund mitzuteilen versucht.

Ein selbstbewusster Hund, der unmittelbar vor einer Auseinandersetzung steht, wird versuchen, größer und stärker zu erscheinen. Dazu richtet er sich zu voller Größe auf, stellt Ohren und Rute auf und sträubt Nacken- und Rückenhaare (er bekommt eine "Bürste"). Manche Hunde wedeln auch langsam mit der Rute und knurren dabei. Ein unterwürfiger Hund wird sich dagegen möglichst klein machen und versuchen, wie ein Welpe zu wirken. Denn die jungen Vierbeiner genießen den sogenannten Welpenschutz. Sie werden von älteren Hunden zwar zurechtgewiesen, aber nicht ernsthaft angegriffen.

Ein rangniedrigerer Hund nähert sich einem ranghöheren meist in geduckter Haltung und von der Seite. Dabei wedelt er heftig mit der Rute. Er wird außerdem versuchen, das Gesicht und die Pfoten (oder bei einem Menschen die Hände) zu belecken. Als weitere Geste der Unterwerfung rollt er sich manchmal auf den Rücken. In dieser Lage sondern einige Hunde unkontrolliert kleine Mengen Urin ab. Eine für Hunde typische und allgemein bekannte Verhaltensweise ist das Wedeln.

Den meisten Menschen ist klar, dass ein Vierbeiner freundlich gesinnt ist, wenn er ausgelassen wedelt. Hunde, die sich unterwerfen oder die eine besonders kurze Rute haben, wedeln manchmal so stark, dass das gesamte Hinterteil mitschwingt. Ein Hund benutzt seine Rute allerdings auch noch auf andere Weise zu Gefühlsäußerungen: Bei Wut versteift sich seine Rute, und er hebt und senkt sie langsam. Hat er dagegen Angst, klemmt er sie zwischen die Hinterbeine.

Nervöse oder ängstliche Hunde wedeln oft mit herabhängender Rute, um ihr Gegenüber zu beschwichtigen.

Die normale Haltung der Rute ist durch Züchtung und Kupieren stark verändert worden. So tragen manche Rassen, wie beispielsweise der Whippet und der italienische Greyhound, ihre Rute meist unter dem Bauch. Ganz allgemein drückt eine Rute, die in einem Winkel von mehr als 45° zur Wirbelsäule getragen wird, also locker nach unten hängt, Interesse und Aufmerksamkeit aus.
Auch in der Mimik Ihres Hundes können Sie viel über seine momentane Stimmungslage erfahren. Ist er ängstlich oder aufgeregt? Fürchtet er sich, oder möchte er gern spielen?

Am Zusammenspiel seiner unterschiedlichen Signale können Sie jede Stimmungslage erkennen. Ist er aufmerksam oder lauscht einem Geräusch, sind die Ohren aufgerichtet. Empfindet er Freude, Unterwürfigkeit oder Furcht, legt er sie nach hinten bzw. eng an den Kopf an. Um jede seiner Stimmungen richtig deuten zu können, sollten Sie auf alle Körpersignale gleichzeitig achten.

Wenn Ihr Hund sich unterwirft oder freut, verengen sich seine Augen zu kleinen Schlitzen oder sind halb geschlossen. Ist er angriffslustig, sind sie dagegen weit geöffnet. In der Wildnis kann der Rudelführer die rangniederen Tiere allein mit Blicken zurechtweisen. Dabei starren sich die Rivalen an, bis entweder ein Kampf stattfindet oder das unterlegene Tier seinen Kopf senkt und sich abwendet. Starrt das Gegenüber ihn dennoch weiter an, kann das den unterlegenen Hund so sehr verwirren, dass er vor Angst zubeißt. Wird der Blickkontakt nicht unterbrochen, verleiht der dominante Hund seiner Drohung durch Zähnefletschen, Knurren oder mit einem Angriff Nachdruck.

 

Neigt Ihr Hund zu Nervosität, sollten Sie nicht versuchen, sich mit ihm durch anhaltenden Blickkontakt zu messen. Damit könnten Sie ihn provozieren. Ganz normaler, liebevoller Blickkontakt tut Hunden dagegen gut und trägt zu einer guten Beziehung zwischen Mensch und Tier bei. Unterwürfige Hunde und Vertreter bestimmter Rassen (z.B. Labradore) scheinen sogar "lächeln" zu können. Bei einem wütenden Zähnefletschen sind die Lefzen straff nach hinten gezogen. Es sind beinahe alle Zähne zu sehen, und der Hund knurrt.

Wenn ein Hund spielen möchte, hebt er meist eine Vorderpfote oder nimmt die typische Spielhaltung mit abgesenktem Oberkörper und erhöhtem Hinterteil ein. Außerdem bellt er, um die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Eventuell bietet er Ihnen auch eines seiner Spielzeuge an. Oder er springt ausgelassen um einen Artgenossen herum und fordert ihn zum Mitmachen auf.Quelle
 

Angriffsdrohung

Kurze Lippen - d.h. der Hund hat den Lippenwinkel nur ganz kurz zurückgezogen. Man kann beim drohen nur die Schneide- und Eckzähne sehen. Hat der Hund dazu Schwanz und Kopf erhoben und knurrt dunkel, laut und drohend so besteht höchste Angriffsgefahr. Der Hund ist aufs äußerste gereizt und aggressiv - Er ist absolut gefährlich. Wir sollten in dieser Situation den Kopf etwas senken, den Blickkontakt meiden und uns langsam von ihm wegbewegen. Der Hund darf aber nicht den Eindruck gewinnen, dass wir flüchten - er würde sofort nachsetzen und angreifen.

Abwehrdrohung

Lange Lippen - d.h. der Hund hat seine Lippen aufs maximale nach hinten gezogen, das Gebiss ist komplett zu sehen und die Schnauze kann weit aufgerissen sein. Dies wird begleitet von einem gesenkten Kopf und Schwanz (der kann durchaus bis unter den Bauch gezogen werden) und dem sogenannten Welpengesicht (die Ohren werden so weit nach hinten gezogen, dass die Gesichtshaut straff gespannt wird) und heftigstem Drohen. Der Hund hat panische Angst und wird mit absoluter Sicherheit zubeißen, wenn wir die Situation nicht entspannen. Wir sollten uns langsam zurück ziehen und den Hund dabei weiter ansehen, aber nicht anstarren (das hält ihm von uns fern). Wenn er die Möglichkeit hat, wird dieser Hund weglaufen.

Zwischen diesen beiden Extremen gibt es eine Menge Möglichkeiten.Quelle

Hunde kommunizieren viel miteinander oder auch mit uns. Dabei sprechen sie mit uns nicht anders als mit anderen Hunden.
Sie kommunizieren aber nicht nur, wenn sie Laute von sich geben. Der größte Teil ihrer Sprache ist nonverbal, d.h. sie sprechen mit dem Körper.

Wir Menschen tun das auch sehr viel, allerdings ist uns das oft gar nicht mehr bewusst. Parallelen werde ich später einmal aufzeigen.
Eben, weil wir unsere Körpersprache so unbewusst einsetzen, kommt es aber auch nicht selten zu Missverständnissen zwischen uns und unserem Hund.
Auch hierzu später mehr.
Erstmal ein paar allgemeine "Vokabeln" aus der Körpersprache des Hundes. Und was jetzt kommt, sind keine besonderen Verhaltensweisen. Wenn ihr eure Hunde mal bewusst beobachtet, dann werdet ihr merken, wie viel man eigentlich sehen kann.

Wenn unser Hund nonverbal spricht, dann spricht er mit dem ganzen Körper. Man darf nicht nur z.B. auf die Rutenhaltung achten. Erst das Zusammenspiel von Augen, Ohren, Gesichtsmimik, Rutenhaltung, Haarstellung und Gang bzw. Körperhaltung ergeben die Sprache. Dabei kann der ein oder andere Faktor mal mehr, mal weniger deutlich zu sehen sein. Das ist ja auch rasseabhängig.

Ernstkämpfe sind bei gut sozialisierten Hunden sehr selten, eben weil sie sich vorher mittels Körpersprache verständigen. Sie legen gar keinen Wert darauf, immer erstmal alles auszukämpfen, denn schließlich gehen sie dabei ja auch jedesmal das Risiko einer eigenen Verletzung ein.

Schauen wir uns jetzt aber mal an, wie Hunde ihren Körper einsetzen:

 

Die Rute ist ein wichtiges Ausdrucksmittel. Im entspannten Zustand wird sie je nach Rasse anders getragen, das muss man berücksichtigen. Die Rute kann also

  • entspannt sein
  • aufrecht getragen werden
  • aufrecht und wedelnd getragen werden
  • aufrecht getragen werden und nur die Rutenspitze wedelt
  • steil aufrecht getragen werden
  • waagerecht getragen werden
  • zwischen den Hinterbeinen oder
  • unter dem Bauch getragen werden.

     

Warum wedeln Hunde mit der Rute?
NICHT, wie wir immer dachten, weil sie sich freuen. Wedeln deutet immer auf einen emotionalen Konflikt hin.

Der Welpe begrüßt ein erwachsendes Rudelmitglied mit heftigem Wedeln.
Konflikt: er möchte gerne hin, ist aber gleichzeit unsicher, sich zu nähern

Auch beim Imponierverhalten wedelt die Rute schnell hin- und her.
Konflikt: der Hund ist einerseits zum Angriff bereit, fürchtet aber andererseits die Auseinandersetzung

Das Rutenwedeln dient aber auch der geruchlichen Kommunikation. Die Analdrüsen im Bereich des Afters produzieren ein Sekret, das die persönliche Duftmarke des Hundes ist. Beim Wedeln wird die Produktion angeregt und durch die hochgetragene Rute gut verteilt. Selbstbewussten Hunden ist es also ein Muss, ihren Duft zu verteilen, unterwürfige Hunde bedecken die Analdrüsen mit der Rute.


Auch bei den Ohren muss man die Normalstellung kennen, um die Signale richtig deuten zu können.

Ohren können
  • Aufgerichtet/neutral getragen werden
  • Aufgerichtet und in verschiedene Richtungen gedreht sein (Geräuschortung)    
  • nach vorn gerichtet sein
  • angelegt sein

    Bei schlappohrigen Hunden kann man auch eine Veränderung an der Ohrbasis, also an den Bewegungen der Ohrmuschel erkennen.

Augen und Stirn ergeben folgendes Zusammenspiel

  • groß wirkende Augen, da die Stirn nach hinten gezogen wird, glatt ist
  • klein wirkende Augen, da die Stirn nach vorn gezogen wird und in Falten liegt
     

     

    Die Schnauze des Hundes, also das Maul und der Nasenrücken ist

    • neutral geschlossen oder leicht geöffnet
    • Mundwinkel nach vorn gezogen, Nasenrücken gekraust, im vorderen Bereich werden die Lefzen hochgezogen und Schneide- und Fangzähne entblößt
    • Wie oben nur das Maul noch (meist nur leicht geöffnet)
    • Mundwinkel nach hinten gezogen, Mund geschlossen, Nasenrücken glatt
    • Mundwinkel nach hinten gezogen, Nasenrücken gekraust, Lefzen hochgezogen, so daß alle Zähne entblöst sind
    • Wie oben nur zusätzlich noch das Maul weit aufgerissen

      Und zu guter Letzt, der Körper des Hundes. Er ist

    • enstpannt
    • angespannt
    • Nackenhaare sind aufgestellt
    • Haare über den gesamten Rücken sind aufgestellt
    • Gewicht ist nach vorn verlagert
    • Gewicht ist nach hinten verlagert
    • Vorderkörper abgedukt, die Vorderbeine weit gespreizt


    Das waren jetzt die Ausdrucksmöglichkeiten der einzelnen Körperpartien. Wie vorher schon erwähnt, ergibt aber erst das Zusammenspiel aller die Körpersprache.
    Eben diese Körpersprache soll dem Gegenüber immer eine Botschaft vermitteln. Hunde verschwenden keine Zeit mit Smalltalk. Sie drücken ihre Stimmung klar und deutlich aus.
    Wie? Das werde ich jetzt mal beschreiben und anhand von einigen Bildern zeigen.

    Der entspannte Hund
    hat allgemein eine sehr entspannte Körperhaltung. Die Rute hängt entspannt, die Ohren sind entweder aufgerichtet (Stehohren) oder hängen locker (Schlappohren), die Schnauze ist geschlossen oder leicht geöffnet. Die Bewegungen des Hundes sind locker und fließend.
    Der aufmerksame Hund
    hat eine leicht gespannte Körperhaltung, die Rute wird waagerecht getragen, die Ohren sind aufgerichtet und drehen sich in Richtung der Geräuschquelle.


     

    Der selbstsichere Hund
    hat eine aufrechte Körperhaltung, die Rute ist aufgestellt und wedelt evtl., die Ohren stehen aufrecht, er blickt sein Gegenüber unvermittelt an, den Kopf aufrecht getragen. Zusätzlich hat er evtl. aufgestellte Nackenhaare und einen etwas steifen Gang.
    Vergleich Mensch: wir erkennen einen selbstsicheren Menschen daran, daß er sehr gerade geht und seinen Mitmenschen direkt in die Augen guckt.
    Der selbstsichere, drohende Hund
    zeigt ebenfalls o.g. Körperhaltung. Sein Körpergewicht ist nach vorn verlagert. Zusätzlich senkt er aber die Schnauze ab, damit seine Gesichtsmimik besser zu erkennen ist. Er kräuselt den Nasenrücken, zieht die Stirn nach vorn und hebt den vorderen Bereich der Lefzen an, so daß seine Schneide- und Fangzähne zu sehen sind. Auch er blickt sein Gegenüber direkt an und zeigt so deutlich seine Bereitschaft zum Angriff.
    Vergleich Mensch: wenn er droht, dann macht er sich ebenfalls gerade, durch Kopf heben groß, verschränkt die Arme vor der Brust, verlagert sein Körpergewicht nach vorn, starrt sein Gegenüber an und zieht die Augenbrauen hoch, also die Stirn in Falten
     
    Der unsichere Hund
    hat eine leicht abgedukte Körperhaltung. Die Rute wird evtl. erst seeehr hoch getragen, senkt sich dann aber mit Annäherung der Gefahrenquelle immer mehr ab, wird dann zwischen den Hinterbeinen getragen. Die Ohren werden leicht angelegt, die Schnauze wird hochgetragen, damit die Gesichtsmimik nicht zu sehen ist. Die Stirn wird nach hinten gezogen, ist damit glatt und die Augen wirken so größer. Die Haare über die komplette Rückenpartie werden aufgestellt. Sein Körpergewicht ist nach hinten verlagert, er ist zur Flucht bereit.
    Vergleich Mensch: ein unsicherer Mensch senkt den Kopf, läßt die Schultern fallen (macht sich klein), schaut nach unten oder zur Seite, geht evtl. Schritte zurück. Wenn ihm etwas nicht geheuer ist, bekommt er evtl. eine Gänsehaut (aufstellen Haare)


    Der unsichere, drohende Hund zeigt ebenfalls o.g. Körperhaltung. Zusätzlich zieht er die Lefzen hoch, so daß sämtliche Zähne entblößt sind. Die Ohren sind ganz angelegt und er reißt evtl. das Maul noch weit auf.
    Dazu muss ich aber auch anmerken, dass ein Hund, der aus Unsicherheit droht, eben dabei auch sehr sicher wirken kann. Das liegt dann meist daran, dass er dieses Verhalten einfach schon sehr oft ausgeführt hat - mit Erfolg. Er ist sich seiner Sache dabei also sehr sicher, aber nichts desto trotz ist der Grund dabei Unsicherheit. Man muss daher seinen Hund schon gut beobachten, um den Unterschied auch wirklich zu bemerken.


  • Der ängstliche Hund versucht sich so klein wie möglich zu machen, geht in den Hinterläufen richtig in die Knie. Die Rute wird zwischen die Beine geklemmt, unterm Bauch getragen, die Ohren sind angelegt. Auch er zieht die Lefzen weit zurück, entblößt ggf. alle Zähne. Seine Haare sind aufgestellt. Sein Körpergewicht ist nach hinten verlagert, was aber einen Angriff nicht ausschließt, wenn Flucht nicht mehr möglich ist.

    Der Hund in der Spielaufforderung ist wohl noch am einfachsten zu erkennen. Der Vorderkörper ist abgeduckt, die Vorderbeine weit auseinandergespreizt und der ganze Hund scheint zu lächeln. Hunde in dieser "Pose" wollen aber nicht immer nur einfach toben. Diese Spielaufforderung ist auch ein beliebtes "Calming Signal", um Spannung aus einer Situation zu nehmen bzw. umzulenken.


    Wie kann es nun aussehen, wenn sich zwei Hunde begegnen? Das ist von den einzelnen Charakteren abhängig, hier mal einige Beispiele:

     

    1. Ein Welpe nähert sich einem erwachsenen Rudelmitglied.
    Er macht sich klein, knickt in den Hinterbeinen ein, legt die Ohren an, hebt den Kopf. Er kriecht beinahe heran, wedelt mit der Rute, was -wie wir ja jetzt wissen- aus dem Konflikt heraus kommt. Er leckt die Mundwinkel des Erwachsenen zur Beschwichtigung.Der erwachsene Hund bleibt entweder ruhig stehen und ignoriert den Kleinen.
    Oder er versteift etwas, macht sich also größer, wendet den Kopf ab hebt die vordere Lefzenpartie. Als Steigerung knurrt er.

     

    Wenn das nichts nützt, dann kann ein Abschnappen (gezieltes Vorbeischnappen) folgen oder aber er greift mit seinem Fang über die Schnauze des Welpen. Der junge Hund zeigt daraufhin seine Unterwerfung und legt sich auf den Rücken.
    Ich rede hier nur von einem erwachsenen Rudelmitglied. Bei fremden Hunden kann es auch ernsthaftere Verletzungen für den Welpen geben, denn Welpenschutz gibt es nicht (höchsten im eigenen Rudel!!!)

     

    2. Ein selbstsicherer und ein unsicherer Hund begegnen sich.
    Der selbstsichere Hund geht direkt auf den anderen Hund zu. Er hat eine aufrechte Körperhaltung, die Schnauze leicht gesenkt, damit seine Gesichtsmimik sichtbar ist. Er sieht sein Gegenüber direkt an.
    Der unsichere Hund macht sich kleiner, legt die Ohren an, streckt den Nacken, damit durch das Kopfheben seine Mimik nicht sichtbar ist. Um sein Gegenüber nicht zu provozieren, wendet er den Blick ab oder dreht ihm ganz die Seite zu. Der dominate Hund wendet sich dann entweder nach der Analkontrolle ignorierend ab oder er kostet seine Macht noch etwas aus und provoziert den unsicheren Hund.

     

  • Provokation kann z.B. sein:

  • anknurren
  • Kopf oder Pfote auf den Rücken oder Hals des anderen legen
  • Aufreiten
  • Der unsichere Hund signalisiert seine Unterlegenheit nun deutlicher durch Friedensangebote wie

  • Gähnen

  • Am Boden schnüffeln
  • Sich kratzen
  • Sich über die Schnauze lecken
  • Das Anheben einer Pfote
  • Spielaufforderung

     

    Er beschwichtigt also.
    Ein gut sozialisierter Hund akzeptiert das und läßt den anderen gehen.

     

    3. Zwei selbstbewußte Hunde begegnen sich:

    Sie gehen steif aufeinander zu, sehen sich an.
    Beide umkreisen sich, seitlich zueinander. Durch Abwenden des Blickes (auch nur kurz) von einer Seite wird die Situation entschärft.
    Sollte keiner von beiden den Blick abwenden, wird das als Provokation angesehen und es kann zu einem Kommentkampf kommen.

    Evtl. verfolgt er ihn noch ein paar Schritte, dreht dann aber ab.

     

    Auch Körperkontakt in Form von Anrempeln, Kopf auflegen, Aufreiten ist eine Provokation. Der eine unterschreitet demonstrativ die Individualdistanz des Gegners.

    So könnte man das jetzt noch ewig fortführen, aber ich wollte nur mal ein paar Beispiele nennen.
    Lieber möchte ich aber nochmal kurz auf unsere Körpersprache und die damit verbundenen Mißverständnisse kommen. Daß wir - wenn auch sehr unbewußt - auch viel mit dem Körper sprechen, habe ich ja schon dargestellt. Dieses "unbewußt" ist aber auch genau die Gefahr.

     

  • Beispiel 1:
    Unser Hund soll kommen, also rufen wir ihn. Er ist aber gerade abgelenkt und reagiert nicht sofort. Wir werden sauer, stemmen die Hände in die Hüften, beugen uns nach vorn und rufen wieder. Das Hörzeichen ist "Komm", aber unser ganzer Körper sagt "Bleib mir ja vom Leib"


    Man beachte das "Züngeln" und die leicht abgesenkte Haltung

    Steigerung dann noch: Unser Hund versucht nun von weitem uns zu beschwichtigen, er macht sich klein, legt die Ohren an, klemmt die Rute ein, wendet den Blick ab, leckt sich übers Maul, also beschwichtigt und wir stehen nur da uns brüllen ihn an. Und unser Körper nimmt eine immer drohendere Haltung ein.



    Beispiel 2: Unser Hund liegt im Platz und soll nun Sitz machen. Wir beugen uns über unseren Hund und geben ihm das Hörzeichen und evtl. Handzeichen für "Sitz". Unser Körper aber drückt ihn förmlich unter die Grasnarbe.

    Steigerung: unser Hund legt die Ohren an, wendet den Blick ab, kratz sich, zeigt also ganz deutlich, daß er sich in einem Konflikt befindet, aber wir reissen ihn dann an der Leine hoch, weil er es von allein ja nicht macht, der faule Hund!!!

     

  • Beispiel 3:
    Unser Hund soll "Fuß" gehen, ist aber abgelenkt und hinkt etwas hinterher. Wir werden energischer mit der Stimme und gleichzeitig versteift sich unser ganzer Körper. Wir wollen nun, daß unser Hund neben uns läuft, aber mit dem Körper sagen wir "Ich bin sauer, bleib mir bloß vom Leib!" Der Hund tut das aus seiner Situation einzig wahre, er hält Abstand und bleibt zurück.

    Steigerung: wir fahren blitzschnell herum, fauchen unseren Hund an, er wendet den Blick ab, hält noch mehr Abstand, legt die Ohren an, leckt sich über die Schnauze. Wir reissen ihn an der Leine heran und bringen ihn damit in eine wirklich Konfliktsituation.

     

  • Andere Beispiele:

  • Das direkte Hinunterbeugen zum Hund, um ihn zu streicheln. Der Hund will ausweichen, wir ziehen ihn zu uns heran.

     

  • Wir schimpfen mit unserem Hund, er macht sich klein, beschwichtigt und wir strafen munter weiter, weil wir noch nicht fertig sind mit ihm.

     

  • Unser Hund kaut einen Knochen, wir nähern uns ihm. Er legt die Ohren an, wendet den Blick ab, zieht die Lefzen ganz hoch und knurrt. Wir packen ihn uns, schimpfen und nehmen ihm den Knochen weg. Alles, was der Hund hier gezeigt hat war, daß er kein Vertrauen zu uns hat. Und er hatte ja wohl Recht...
    Allerdings muß man gerade hierbei seeehr auf die Körpersprache achten, denn wir wollen uns nicht von einem dominanten Hund vom Futter vertreiben lassen.


    Zum Schluß noch eines:
    Nicht jedes Verhalten, daß der Hund zeigt ist so deutlich, daß es uns förmlich ins Gesicht springt. Das meiste läuft in ganz feinen Nuancen ab. Aber auch die kann man sehen, wenn man sich einfach nur mal die Mühe macht, seinen Hund zu verstehen anstatt sich auf Spaziergängen über das Fernsehprogramm oder Kochrezepte zu unterhalten. Wenn man die Körpersprache seines Hundes versteht, dann versteht man seinen Hund besser. Und der wiederum zeigt uns, wenn unsere Körpersprache nicht mit dem übereinstimmt, was wir gerade aussprechen.
    Und je weniger widersprüchlich wir sind, desto mehr Vertrauen gewinnt unser Hund zu uns.
    Wir können also nur dabei gewinnen.

     



    Quelle
Druckversion Druckversion | Sitemap Diese Seite weiterempfehlen Diese Seite weiterempfehlen
© http//:www.dierker-bremen.de